Monatsspruch September

Monatsspruch September  Evangelium nach Matthäus 16 Vers 26

Liebe Leserin, lieber Leser,

ä, ö, ü – untrügliche Anzeichen für den Konjunktiv, den wir allerdings heutzutage kaum noch verwenden, weil wir es gewohnt sind, die Möglichkeitsform in aller Regel mit „würde“ zu umschreiben, während Luther ihn in seiner Übersetzung noch mit der ihm (dem Konjunktiv) zustehenden „Würde“ benutzt hat. Das Schicksal der schleichenden Abschaffung teilen sich beide (Luther und der Konjunktiv) übrigens mit dem Genitiv, der in der deutschen Sprache (bei „wegen, während, trotz und statt“) leider immer mehr verloren geht. Nicht nur linguistisch betrachtet – ein Verlust! Denn genau darum geht es: Um die „schleichende Abschaffung“, um´s „Verloren gehen“ oder auch das „Sich-Verlieren“!

 Also: „Was würde es einem Menschen helfen, würde er die ganze Welt gewinnen, dabei aber doch Schaden an seiner Seele nehmen?“

Oder: Was nützt es uns am Ende des Tages, wenn wir unsere Zeit mit was auch immer verbringen, unser Geld für was auch immer ver(sch)wenden, unseren Verstand mit was auch immer schärfen, unser Spektrum mit was auch immer erweitern, dabei aber nicht auf das Wohlbefinden unserer Seele achten und uns selber dabei in was auch immer verlieren?

Ja, ist das denn die Möglichkeit? Ich glaube schon und häufig bemerken wir es nicht einmal, dass es diese Möglichkeit gibt, haben nicht auf dem Schirm, dass wir uns zu wenig Zeit dafür nehmen, eben diese Seele auch einmal – wie es so schön heißt – baumeln zu lassen. Vielleicht waren Sie in den vergangenen Wochen irgendwo im Urlaub und haben festgestellt, dass das besser funktioniert, wenn man mal aus dem gewohnten Trott herausgerissen wird, an einem anderen Ort ist und neue Eindrücke auf sich wirken lässt. Wann hat man dazu im Alltag schon die Möglichkeit?

Für den Körper kann man schon was tun (Muskeln, Rücken, Verdauung …), sich geistig fit halten wohl auch (Gehirn), aber welche Möglichkeiten gibt es für die Seele und wo steckt die überhaupt? Dabei wird der Mensch doch durch sie erst – psychosomatisch – komplett! Wenn etwas ohne Seele ist, dann ist es leblos, was wäre ein Haus ohne die gute Seele darin und unsere Dörfer werden doch hoffentlich bei der nächsten Volkszählung nicht nur nach Köpfen, sondern auch nach Seelen gezählt? Es geht darum, ein gutes Maß zu finden …

„Work-Life-Balance“ nennt man das wohl Neudeutsch, aber das greift ein wenig zu kurz. Seiner Seele etwas Gutes zu tun, ist mehr als das und es sieht auch für jede/n anders aus, weil unsere Seelen „Gott sei Dank“ so unterschiedlich sind. Aber wir sollten die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es für uns wichtig sein könnte, das nicht außer Acht zu lassen, also auf uns zu achten! Oder konjunktivisch formuliert: Was brächte es uns, fänden wir heraus, wie das ginge! Vielleicht wäre es auch nicht die schlechteste Idee, verbrächten wir etwas Zeit mit Gott und bauten das in den Alltag ein, irgendwie? Wir gewännen dabei, eben ohne die ganze Welt gewinnen zu müssen.

Ich glaube jedenfalls, der Konjunktiv, also überhaupt die Möglichkeit dazu zu haben, ist wichtiger als die Rechtschreibung: „Was hülfe äs dem Mänschen, wänn är die ganze Wält gewönne und nähme doch Schaden an seiner Sääle?“

Natürlich nur ein kleiner Spaß, aber dieser Satz mit den vielen Konjunktiven aus dem Matthäusevangelium hat es in sich und öffnet vielleicht ungeahnte Möglichkeiten, Entscheidendes zu ändern!

Viel Spaß beim Entdecken wünscht

Ihr/Euer Arnd Kretzer