Monatsspruch Februar

                                Römerbrief Kapitel 8,  Vers 18

Nun mach aber mal halblang, möchte man dem Paulus sagen. Das kann doch nicht wirklich dein Ernst sein?

All das, was mich manchmal fertig macht, das ist nicht so wichtig? Das zählt alles gar nicht? Krankheit, Leiden, Fragen und Zweifel - das soll alles kein Gewicht haben?

Schöner Trost, Paulus! Ich erlebe doch selbst immer wieder, dass mich das nach unten ziehen! Dinge, die schwer auf mir lasten! Dinge, die Gewicht haben! Eins das mich an manchen Punkten auch zu Boden drückt.

Sorgen um die Kinder, die eigene Familie, um den Arbeitsplatz. Die Gedanken vor einer entscheidenden Untersuchung beim Arzt. Der Moment am offenen Grab eines Menschen, der mir viel bedeutet hat. Und das soll alles kein Gewicht haben? Das soll ich auf die leichte Schulter nehmen? Wie soll das denn gehen?

Nein, das geht nicht. Und darum geht es in diesen Worten auch gar nicht. Sie sagen uns nicht: Take it easy! Nimm’s leicht! Alles halb so schlimm. Das wird schon wieder!

Nein, gerade das sagen diese Worte nicht. Sie sprechen meinen Sorgen, meinen Fragen nicht das Gewicht ab. Sie sagen gerade nicht: Das zählt alles nicht! Das ist doch gar nicht so wichtig!

Paulus spricht hier vom Leiden dieser Zeit. Und damit sagt er doch: Ja, es gibt in deinem Leben Situationen, unter denen du leidest. Immer wieder! Ja, es gibt in deinem Leben Momente, da drückt dich die Last deiner Sorgen – manchmal drückt sie dich sogar zu Boden. Dann bist du ganz unten.

Das ist so! Immer wieder! Das ist so – auch wenn du an Gott glaubst. Auch wenn du ihm vertraust.
Dein Glaube – das ist keine Versicherung gegen das Leiden dieser Zeit. Keine Garantie für ein Leben auf der Sonnenseite. Für ein Leben auf der Überholspur, auf der du locker an allen Problemen und Fragen vorbeiziehst. Nein, genau das ist dein Glaube nicht!

Aber dein Glaube gibt dir eine andere Perspektive. Er lässt dich weiter sehen. Er gibt dir die Hoffnung: Es gibt mehr! Das ist nicht alles! Das, was dich zu Boden zieht, ist nicht alles. Da kommt noch was!
Er zeigt dir: Dein Leben – es hat eine unglaublich weite, eine ewige Perspektive.

Eine Perspektive, die wir immer wieder brauchen. Dann wenn wir mal wieder alles zu viel wird. Dann wenn mir alles über den Kopf wächst. Diese Perspektive: es gibt etwas, auf das du dich freuen kannst.

Ein bisschen ist das wie mit einem Urlaub, den man schon gebucht hat. Der steht schon fest. Vielleicht erst in ein paar Monaten. Und bis dahin ist noch Alltag. Der ganz normale Alltag mit all den kleinen und großen Problemen. Mit all den Dingen, die einen auch schon mal ganz schön fertig machen.
Mir tut diese Aussicht auf den Urlaub dann gut. Die Aussicht, mal abzuschalten zu können vom Alltag. Mal alles hinter sich zu lassen. Keine Termine, kein Telefon. Einfach etwas zu haben, auf das man sich freuen kann.

Ist das mit dem Leben, das Gott uns versprochen hat, so viel anders? Mitten in meinen alltäglichen Sorgen, in allem, was ich oft auch als Last empfinde, habe ich etwas, auf das ich mich freuen kann. Heute schon!

Etwas, das mir eine ganz andere, eine neue Perspektive für mein Leben gibt. Das mir hilft – um mit den Worten des Paulus zu sprechen – mein Leben richtig zu gewichten.

Ihr/ Euer Michael Goldau