Monatsspruch Oktober

Monatsspruch Oktober                     Buch Tobias 4 Vers 8

Ein ungewöhnlicher Vers. Ungewöhnlich, weil er in einem Buch steht, das zu den Spätschriften des Alten Testaments gehört – also gar nicht zu finden ist in den Büchern, die für uns so normalerweise zum Alten Testament gehören.

Ungewöhnlich ist er aber auch, weil es in diesem Vers gleich um zwei Dinge geht, über die man eigentlich nicht spricht.

Der Vers spricht vom erstens Geld! Ich weiß: darüber redet man nicht! Oder weiß dein Nachbar, was du verdienst? Was du an Rente bekommst? Oder was du auf dem Sparbuch hast? Wahrscheinlich nicht!

Oder wieviel du am Sonntag in den Klingelbeutel wirfst? Oder was du spendest für die Diakonie, den Gemeindebrief oder für den Förderverein? Wahrscheinlich auch nicht! Wie gesagt: Über Geld redet man nicht!

Aber dieser Vers spricht ganz offen über Geld! Darüber, dass wir abgeben sollen. Darüber, dass wir denen, die in Not sind, helfen sollen – mit unserem Geld. Dass wir teilen sollen mit denen, die oft nicht genug zum Leben haben.

Abgeben – nicht eine feste Summe, sondern so wie es uns möglich ist. Wer reichlich hat, kann auch reichlich geben. Wer weniger hat, der gibt dann eben weniger.

Entscheidend ist nicht, wie viel du gibst! Viel wichtiger ist, wie du gibst! Also: es geht nicht nur darum, das Portemonnaie aufzumachen. Es geht auch darum, unser Herz aufzumachen. Mit dem Herzen dabei zu sein.

Denn in diesem Vers geht es um noch um ein Zweites, worüber man nicht spricht. Da geht es auch um meinen Glauben. Weil es da um Almosen geht.

Almosen – laut Wikipedia eine materielle Gabe an einen Bedürftigen, die aus Mitleid gegeben wird. Also eher so von oben herab. Die Münze, die ich dem Bettler in Siegen in der Bahnhofstraße in seinen Becher werfe,

In der Bibel ist Almosen viel mehr. Almosen gibt man nicht aus Mitleid – nicht von oben herab. Almosen gibt man aus Dankbarkeit. Aus Dankbarkeit Gott gegenüber. Aus Dankbarkeit dafür, dass er für mich sorgt. Dass ich aus seiner Hand all das bekomme, was ich zum Leben brauche. Was mein Leben reich macht.

Weil Gott reichlich gibt, brauche ich nicht zu sparen. Ich darf geben, abgeben von dem, was ich habe.

Letztlich geht es bei dem Almosen um Vertrauen. Um Vertrauen auf Gott. Um die Gewissheit: Egal, was ich auch gebe – ich brauche keine  Angst zu haben. Ich werde nicht zu kurz kommen. Ich werde am Ende nicht mit leeren Händen da stehen. Weil ich einen Gott habe, der für mich sorgt.

Und es geht um die Gewissheit: Gott kann auch aus, was ich gebe – an Geld, an Zeit, an Möglichkeiten – Gott kann daraus immer etwas machen. Für Gott ist nichts zu klein, nichts zu gering, als dass er daraus nicht noch etwas für andere machen kann.

Was du geben kannst – ob du aus dem Vollen schöpfen kannst oder dir nur wenig möglich ist – das weißt du am besten.

Aber was du gibst, das gib von Herzen. Das gib aus Dankbarkeit. Das gib fröhlich, ohne nachzurechnen, ob für dich noch genug bleibt. Darum kümmert sich Gott schon – ganz sicher. Das hat er versprochen.

Ihr/ Euer Michael Goldau