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12. November 2015

„Gegen das Vergessen“

Alisa Tennenbaum zu Gast in Eisern

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Nein, vergessen werden diesen Abend die ca. 75 Besucher bestimmt nicht, die gekommen waren, um sich die Lebensgeschichte von Alisa Tennenbaum anzuhören.

Organisiert wurde dieser Abend am 12. November unter Mithilfe der „Gesellschaft Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit“ in Siegen.

Die heute 86jährige Jüdin Alisa Tennenbaum hat als Kind von 9 Jahren den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und den Beginn des Nazi-Terrors in Wien erlebt – wie auf einmal der Zutritt zum Augarten - einem der bekanntesten Parks in Wien – für Juden und Hunde verboten war. Jüdische Kinder durften nicht mehr in ihre bisherige Schule gehen. Wochenlang saßen sie und ihre sieben Jahre ältere Schwester zu Hause, bis dann eine Schule nur für jüdische Kinder ihre Pforten öffnete.

Sie hat miterlebt, wie die Famiie auseinander gerissen wurde. Ihr Vater kam zunächst ins KZ nach Dachau, bevor er nach England ausreisen durfte. Ihre Schwester verließ Wien zusammen mit Gleichaltrigen Richtung Palästina, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Sie selbst wurde allein mit einem der letzten Kindertransporte im August 1939 nach England geschickt, während die Mutter in Wien blieb, bis auch sie ins KZ kam und zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik verpflichtet wurde.

Die Geschichte von Alisa Tennenbaum hat – anders als viele andere Geschichten aus dieser Zeit – ein „Happy-End“. Bewegt erzählt sie wie sie vom Überleben der Mutter erfuhr: durch ein Telegramm an das Kinderheim in Newcastle, in dem sie mit anderen Mädchen, die von ihren Eltern nach England geschickt worden waren, lebte.
Ihre größte Sorge: Wie sage ich es den anderen? Sie hatte noch ihren Vater. Und auch ihre Mutter lebte. Die Eltern der meisten anderen Kinder waren von den Nationalsozialisten ermordet worden.

 

1. November 2015

Benefizkonzert mit der Gospel-Community Siegen

3.500 Euro für die Kleinsten der Kleinen

Lange wurde vorbereitet, eingeladen, geprobt und gewartet. Dann konnte am 01.11. endlich das große Konzert mit der Gospel-Community Siegen in der Ev. Kirche starten. Das Vorbereitungsteam des CVJM Eisern hatte seit Beginn des Jahres auf diesen Abend hin gearbeitet.
Im Zeichen der EnergyDays ließen sich rund 350 Besucher einladen und so war pünktlich zu Konzertbeginn im 18 Uhr kein freier Platz mehr in der Eiserner Kirche zu ergattern.

Gewohnt schwungvoll, rhythmisch und lautstark (Chorleiter Roland Nöh: „Die Frohe Botschaft muss gehört werden!“) legte die Gospel-Community los und riss die Zuschauer schnell mit, welche zu den Stücken Klatschten und sogar mitsangen.

Die Besucher konnten der 18 Stücke aus dem Bereich des Contemporary Gospel erleben, ohne Eintritt zu zahlen. Dafür riefen Christian Lohmann (Vorsitzender CVJM Eisern) und Arnd DIckel (Öffentlichkeitsarbeit DRK Kinderklinik Siegen) zu Spenden auf. Der Erlös des Konzerts kommt der Kinderklinik am Wellersberg Siegen zu Gute. Von dem Geld soll die Anschaffung eines Wärmebettchens für Neugeborene unterstützt werden. In diesem Bettchen verbringen Frühgeborene die Zeit bis zum regulären Geburtstermin und haben damit die Chance auf einen guten Start ins Leben. Die Anschaffung eines weiteren Bettchens war notwendig geworden, da die Anzahl von Frühgeborenen immer weiter ansteigt.

Beschwingt von der guten und kraftvollen Musik kamen rund 3.500 Euro zusammen, welche in Kürze der Kinderklinik offiziell überreicht wurden.  Auch die Erlöse des Konzertbistros, welches im Anschluss an die letzte Zugabe Raum zur Stärkung und für Gespräche bot, sind dem Spendenzweck zugeflossen.

Die rund 50 Sängerinnen und Sänger waren ebenso zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis des Abends wie die Besucher und Planer des Events.

Der CVJM Eisern dankt allen Unterstützern, Spendern, Helfern und Besuchern des Konzertes. Wir sind froh, dass wir mit diesem Konzert viele „Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten“. Wir haben anderen Helfen können und uns mit dem tollen Konzert selbst beschenkt. Gott sei Dank!

 

August 2014

Unsere Gemeinde feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Sie wird 50 Jahre alt.

Am 1. Januar 1964 war es nach langen Verhandlungen mit dem Landeskirchenamt in Bielefeld endlich soweit: Eisern und Rinsdorf, die bislang 2. Pfarrstelle der Ev. Kirchengemeinde Rödgen waren, wurde zur eigenständigen „Evangelischen Kirchengemeinde Eisern“.

50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Eisern – das sind 50 Jahre, in denen die Menschen hier in Rinsdorf und Eisern die gute Nachricht gehört, dass Gott sie liebt, dass er in ihrem Leben da sein will und ihnen den Weg zum Leben zeigen will, zu einem Leben das bleibt.

50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Eisern – das sind 50 Jahre, in denen hier Kinder getauft wurden, Erstklässler eingeschult wurden, Jugendliche konfirmiert wurden, Paare getraut wurden und von verstorbenen Gemeindegliedern Abschied genommen wurde.

50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Eisern – das sind 50 Jahre, in denen hier Menschen zusammen gelacht und geweint haben, zusammen gefeiert und getrauert haben, einander geholfen und einander gestützt haben.

50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Eisern – das sind 50 Jahre, in denen Gottes Segen uns begleitet und getragen hat, in denen Gottes Nähe unser Glück war.

Das wollen wir miteinander feiern im Rahmen des 125-Jahr-Feier des CVJM Rinsdorf und laden dazu alle herzlich ein:

Festgottesdienst

„G wie Glauben – G wie Glück“

31. August - 10 Uhr

im Festzelt auf Wiese bei Rinks in Rinsdorf

 

August 2014

„Wie gern lebe ich mit dir!“

Jubiläum CVJM Rinsdorf/ Kirchengemeinde Eisern 29.-31. August 2014

Der CVJM Rinsdorf blickt auf ein ereignisreiches Jubiläumswochenende unter dem Motto „Wie gerne lebe ich mit dir“ zurück. 125 Jahre CVJM in drei Tage zu packen, bedurfte vieler Stunden Vorbereitung, die sich, im Rückblick betrachtet, wirklich gelohnt haben.

Eigentlich begann das Fest bereits mit dem Zeltaufbau am 23. August.
Das Motto war schon an diesem Tag Programm, denn mit viel guter Laune und der Bereitschaft von mehr als 40 Helfern aus sämtlichen Ortsvereinen, überall mit anzupacken, konnte aus einem riesigem Auflieger voller Metallstreben, Plastikplanen, Spannseilen und geschätzten 20 Millionen Schrauben und Muttern tatsächlich ein beeindruckendes Festzelt entstehen. „Mann ist das groß!“ war die Reaktion bei fast allen, die mit angepackt hatten! Nicht geringen Anteil daran hatte natürlich auch Zeltmeister Wolfgang Läpple von der Deutschen Zeltmission (dzm), der nicht nur alle Fäden in der Hand, sondern auch den Überblick behielt und für gute Laune sorgte. Zelt und Zeltmeister wurden von der dzm unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Für Sonntag, den 24. August hatte der CVJM Rinsdorf alle Ortsvereine und befreundete Mannschaften des CVJM Wilgersdorf und der FEG Wilden zu einem Fußballturnier im Rinsdorfer Waldstadion eingeladen. Bei guten Wetter und vielen Zuschauern konnten die sieben Mannschaften ihr sportliches Können unter Beweis stellen. Die Mannschaft „Jesus all Stars“ verlor kein Spiel und wurde verdient Erster dieses sportlichen Nachmittags.

Am Freitag folgte dann Zeltaufbau Teil 2. Denn wegen des vielen Regens in der gesamten Woche hatte sich die Zeltwiese in eine Sumpfllandschaft verwandelt. Um den Besuchern die Gummistiefelpflicht zu ersparen, waren am Tag zuvor knappe 20 Kubikmeter Hackschnitzel angeliefert worden, die nun auf ihre Verteilung warteten. Mit Schaufeln, Rechen und Schubkarren bewaffnet, ging es ans Werk. Nebenbei wurden dann noch die restlichen Kleinarbeiten erledigt.

Um 19.30 Uhr startete das Jubiläumswochenende mit einem Festabend. CVJM-Vorsitzender Volkmar Rink und Gastredner Martin Ditthardt führten die zahlreichen Besucher auf eine kleine Zeitreise vom Gründungsjahr des Vereins (1889) bis heute. Bürgermeisterin Christa Schuppler von der Gemeinde Wilnsdorf war zu Gast, die, ebenso wie Kreis-Präses Thomas Jung, Grüße und Segensworte überbrachte und besonders der Jugendarbeit des CVJM Dank und Anerkennung zollte. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Gemischten Chor Rinsdorf, der ältesten bestehenden CVJM-Gruppe des Ortes, unter der bewährten Leitung von Gerhard Müller. Auch der Lobpreis sollte nicht zu kurz kommen, und so konnten die vielen Besucher auch in gemeinsamen Liedern ihr „Wie gerne lebe ich mit dir“ zum Ausdruck bringen. Viele Bilder von damals ließen die Herzen höher schlagen und sorgten für reichlich Gelächter und Gespräche. Ob „Dä lo hernne“ nun „Vitts Werner“, oder vielleicht „dat ir der zworte Räij“ doch „Konsums Hedwig“ war, wurde ausgiebig diskutiert. Im Anschluss an den offiziellen Teil, konnte man sich an Würstchen und Kartoffelsalat gütlich tun. Getränke erhielt man gegen „Rinsdorf-Taler“ am Getränkewagen. So fand der Abend einen gemütlichen Ausklang.

Am Samstagmorgen um 9.00 Uhr ging es sogleich weiter mit dem Frauenfrühstück. Mehr als 100 Frauen ließen sich einladen. Nach ausgiebigem Schlemmen von allerlei Köstlichkeiten und einem Besuch in der Praxis von „Frau Dr. Furchtlos“, sprach Frau Gabriela Wälken über das Thema „Und der Mensch blüht auf“. Dabei war ein Sonnenblumen-Samenkorn der rote Faden. Was steckt alles in mir? Was brauche ich zum Wachsen, Gedeihen und Blühen? Was hindert mich daran? Was hilft mir? Was tut mir gut? Es ging also letztlich um die Frage: Wie wird aus einem Samenkorn eine Sonnenblume bzw. wie wird aus mir ein Mensch, der blüht? Frau Wälken erzählte sehr lebendig und berührend von ihren eigenen Erfahrungen, und wie Gott eingreifen kann, wenn man es zulässt. Nach diesen ermutigenden Worten ging der Vormittag zu Ende.

Um 15 Uhr begann der Familiennachmittag. Stephan Karnath als Ein-Mann-Band und Tatjana Heinzelmann von der dzm sowie die spontane Tanzaufführung der Rinsdorfer Tanzmäuse sorgten für ein abwechslungsreiches Programm im Zelt. Auch auf dem Außengelände blieb kaum ein Kinderwunsch offen. Vom Kinderschminken über Trampolinspringen, Hüpfburg, Menschenkicker, Slack-Line und Kistenklettern war alles dabei, was Spaß macht. Dazu konnte man sich im Zelt an Kaffee und Kuchen gütlich tun. Vermutlich hätten einige Kinder gerne noch bis in die Nacht weiter gespielt und geturnt, doch im Zelt begann schon der Bühnenaufbau für das geplante Rockkonzert von „Shepherd's Warning“.

„Rock in Rinsdorf“ statt „Rock am Ring“ - Zitat Michael Goldau: „Das kann man wiederholen!“ . Die Band ließ es mit guter, handgemachter Rockmusik so richtig krachen, und die Spielvereinigung Rinsdorf versorgte alle Besucher mit Currywurst und Pommes. Selbst als das eigentliche Konzert beendet war, wurde noch lange weiter zusammen gesessen und gefeiert.

Am Sonntag stand dann das nächste Jubiläum auf dem Programm. 50 Jahre Kirchengemeinde Eisern. Am 1. Januar 1964 ist unsere Gemeinde eigenständig geworden. Und viele – sehr viele – kamen, um das zu feiern. Das Zelt war fast bis auf den letzten Platz gefüllt – ein überwältigender Anblick.

Dass das Jubiläum von CVJM und Kirchengemeinde nicht bedeutet, dass man jetzt fertig ist, dass alles so ist, wie man das geplant hat, das wurde gleich am Anfang des Gottesdienstes deutlich gemacht. CVJM und Kirchengemeinde bleiben „Dauerbaustellen“, bis Gott sein Reich einmal für alle sichtbar vollendet wird. Bis dahin arbeiten viele daran mit. Das wurde auch im Gottesdienst selbst anschaulich sichtbar – nicht nur bei den Lesungen oder den Gebeten. Da sangen die Kinder des Kindergartens „Meisenhaus“ und der Gemischte Chor Rinsdorf. Da spielte der Posaunen Eisern und die Lobpreisband in Rinsdorf-Eiserner Besetzung.

Eine Baustelle, auf der jeder mit anpackt. Auch unser Superintendent Herr Stuberg zog sich den Bauhelm auf!  In seiner Predigt hielt er noch einmal das fest, was uns als Gemeinde trägt: Das Gott uns nahe ist, das ist unser Glück!

Wie auch an den anderen Veranstaltungen funktionierte das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Beteiligten reibungslos und sorgte für einen gleichzeitig ernsten wie heiteren Vormittag.

Nach soviel Arbeit auf der „Baustelle CVJM und Gemeinde“ wurde Wolfgang Petris beliebte und einfach super-leckere Erbsensuppe bis auf den letzten Tropfen gelehrt, und auch das bereits aufgebaute Kuchenbuffet lockte schon den ein oder anderen an, noch bevor der Sonntagsschul-Nachmittag offiziell begonnen hatte.

In kleinen Gruppen musste ein Spiel mit verschiedenen Stationen in der näheren Rinsdorfer Umgebung (Backes, Ehrenmal usw.) erledigt werden. Dabei ging es nicht nur um Geschicklichkeit und Schnelligkeit, sondern auch um Allgemeinwissen. Wer kennt zum Beispiel den Jünger, der per Los den Verräter Judas ersetzt hat? Das geht nur, wenn man immer in der Sonntagsschule gut aufgepasst hat! ;-) Während des Spiels hatten alle Kinder auch die Gelegenheit, einen Luftballon mit Postkärtchen steigen zu lassen. Der Sieger des Weitflugwettbewerbs soll im Dezember bei der Weihnachtsfeier bekannt gegeben werden. Bei der Siegerehrung konnten die Kids dann noch aus den reichlich gefüllten Sonntagsschultüten allerlei Schätze abstauben. Ob Fahrradlampe, Tasse, Malkoffer oder Brettchen, die Auswahl war riesengroß.

Gegen 15 Uhr begann der letzte Teil des Jubiläumswochenendes: Der Zeltabbau. Stühle und Kissen, Lampen, Bühne und Technik wollten abgebaut und verstaut werden, bevor es an die Zeltsubstanz ging. Die Rinsdorfer Dorfgemeinschaft war nach den drei Tagen so begeistert, dass beim Zeltabbau noch mehr Helfer da waren als beim Aufbau! Die 50 !!! Helfer holten den neuen Abbaurekord souverän nach Rinsdorf. Alle wurden verköstigt mit Currywurst und Pommes, die vermutlich noch lange Zeit in den Köpfen als „Zelt-Essen“ gespeichert sein werden. Sämtliche Zeltteile mussten auf Unimogs und Anhänger verladen werden, um sie dann weiter zum Auflieger zu transportieren und endgültig umzuladen. Das gestaltete sich etwas schwierig, da die Durchfahrt von der Wiese auf den geteerten Hof eher einer Schlammwüste oder einem Kartoffelacker glich. Unmengen Hackschnitzel konnten Abhilfe schaffen, sorgten aber bei jeder Vollgas-Abfahrt mit Anlauf für einen Arbeitsstopp, weil sich das niemand entgehen lassen wollte. Die restlichen Hackschnitzel wurden zu großen Bergen zusammengerecht und warten auf Abnehmer. Gewisse Spuren zeugten auch noch an den folgenden Tagen von einem arbeitsreichen Wochenende.

Abschließend können wir mit großer Dankbarkeit auf das Jubiläum zurückblicken. Es gab keinen Verletzten, keine Zwischenfälle oder unlösbaren Probleme. Das Wetter war gut genug, die Stimmung noch besser. Das Motto „Wie gerne lebe ich mit dir“ wurde gelebt und erlebt, und das rechtfertigt jeden Aufwand, der bei der Planung und Durchführung erforderlich war.

An dieser Stelle danken wir allen, die sich in irgendeiner Form am Geschehen beteiligt haben - egal ob im Kleinen oder Großen! Ohne Euch alle wäre das Jubiläum nicht so möglich gewesen. Ihr alle habt zum großen Erfolg beigetragen, habt durch Euer Tun und Beten an der Gemeinde Gottes mitgebaut.

„Wie gerne leben wir mit Euch!“

 

Juni 2014

Jugendarbeit auf dem Prüfstand

Kirchenkreis Siegen visitiert eigenes Referat für Jugend und Gemeindepädagogik

Eine Delegation des Kirchenkreises Siegen unter der Leitung des Superintendenten Peter-Thomas Stuberg visitiert derzeit das eigene kreiskirchliche Referat für Jugend und Gemeindepädagogik. Bislang sind immer ausschließlich Kirchengemeinden besucht worden. Die Überprüfung einer eigenen Einrichtung hat es erinnerlich noch nie gegeben. Anlass ist die Neustrukturierung der kirchlichen Jugendarbeit vor fünf Jahren. Die nahm ihre erste Etappe im Jahr 2008, als nach langen Vorbereitungen im Kirchenkreis Siegen der Beschluss gefasst wurde, die hauptamtliche Jugendarbeit zu erhalten und solidarisch zu finanzieren. Damals sahen etliche Kirchengemeinden sich nicht mehr in der Lage, ihre eigenen hauptamtlichen Jugendreferenten zu finanzieren. Mitarbeitenden in der Jugendarbeit drohte die Entlassung. Ein Jahr lang beriet ein Ausschuss, wie die Jugendarbeit anders organisiert werden könnte. Schnell wurde deutlich, wie schwierig es ist, hauptamtliche Jugendarbeit auf Kirchenkreisebene zu regeln. Geht es dabei doch nicht nur um die Gemeinden, sondern auch um Regionen und den Kirchenkreis. In manchen Gemeinden leistet der CVJM die kirchliche Jugendarbeit. Zudem müssen die Anstellungen, die Dienst- und Fachaufsicht, sowie Vertretungen geregelt werden. 2009 ließ sich die Kreissynode auf das neue Modell von hauptamtlicher Jugendarbeit im Kirchenkreis Siegen ein. Manche Kirchengemeinde musste sich damit abfinden, ihren bislang eigenen Jugendreferenten mit anderen Kirchengemeinden zu teilen. Die Jugendreferenten wiederum mussten lernen, mit der Fülle der Aufgaben und manchem Anspruchsdenken von Kirchengemeinden angemessen umzugehen. Die evangelische Kinder- und Jugendarbeit und auch die gemeindepädagogische Arbeit werden seitdem von einem synodalen Koordinierungsausschuss begleitet und beraten.

Nun soll überprüft werden, welche Verbesserungen dem Modell der Jugendarbeit gut tun. Das geschieht in den nächsten Wochen bis Mitte Juni mit Hilfe des Instrumentes der Visitation. Über 60 ausgewählte Veranstaltungen werden von Mitgliedern des 20-köpfigen Visitationsteams besucht, die sich nach einem umfangreichen Fragebogen ein Bild über die jeweilige Veranstaltung machen. Kindergruppen, Jungscharen, Jugendgottesdienste, Kinderbibeltage, offene Angebote, ökumenisch ausgerichtete Jugendangebote werden besucht und auch die Bezüge in die Kommunalpolitik werden in Gesprächen erörtert. Nicht zuletzt wird die Zusammenarbeit der Gemeinden in den sieben Regionen und mit dem Kirchenkreis unter die Lupe genommen.

Der Auftakt der umfangreichen Visitation fand am Dienstag, 6. Mai 2014, in der evangelischen Kirche Niederschelden statt. Die regionalen Ausschüsse, der synodale Koordinierungsausschuss, der Kreissynodalvorstand und die hauptamtlichen Mitarbeitenden waren eingeladen, um sich gemeinsam auf den Visitationsweg zu machen. Pfarrer Rolf Fersterra, Stellvertreter des Superintendenten und Vorsitzender des synodalen Koordinierungsausschusses, ging in seiner Andacht auf einen Vers aus dem Buch Jesaja ein: „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht“ (Jesaja 43, 19). Er hob hervor, dass Kirche und auch ihre Jugendarbeit immer auf dem Weg bleiben zwischen Alt und Neu. Fersterra: „Gott schafft Neues. Wir dürfen dem nachgehen und das Neue tapfer ergreifen. Die Botschaft bleibt, die Formen ändern sich.“ Das neue Modell der hauptamtlichen Jugendarbeit sei noch nicht fertig und auch nicht unumstößlich. Viele Gemeinden betrachteten es immer noch durch die Brille der Örtlichkeit. Er selbst habe das neue Modell zunächst kritisch angesehen. Fersterra: „Heute sehe ich engagierte Hauptamtliche und gute Projekte wo Gott seinen Geist im Spiel hat.“

„Wenn Jugendliche über Glauben reden … - Spiritualität und Lebenswelten von Jugendlichen“ lautete das Thema, zu dem Silke Gütlich, Mitarbeiterin des Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, einen anspruchsvollen Vortrag hielt. Die Referentin hatte 2012 die Pilotstudie „Spiritualität von Jugendlichen“ mit dem Forschungsinstitut Empirica betreut.

Zunächst hatten 47 Jugendliche in Einzel- und Gruppeninterviews von ihrem Glauben erzählt und davon, was ihnen in ihrem Alltag Sinn gibt, was für eine Bedeutung die Kirche für sie hat und wer Gott für sie ist. Aus den Antworten wurde ein 50 Fragen umfassender Fragebogen entwickelt, mit dem flächendeckend in Westfalen über 1330 Jugendliche im Alter zwischen 14–19 Jahren in ev. Schulen, Freizeiten, offenen Jugendarbeiten und Jugendkreisen befragt wurden. So konnten insgesamt 66.500 Antworten erfasst werden. Silke Gütlich zeigte einige Ergebnisse der Studie auf. In den letzten 10 Jahren, so die Referentin, habe sich viel im Denken der Jugendlichen verändert. Gütlich: „Was noch vor 10 Jahren funktioniert hat, funktioniert heute nicht mehr. Es ist zu überlegen, welche neuen Ansätze gebraucht werden, um Jugendliche mit dem Evangelium bekanntzumachen?“ Die Zeit sei für Jugendliche rauer geworden. Ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen sei zeitlich kaum noch möglich. Jugendliche wollten allerdings Halt und Zugehörigkeit haben, einen Platz, der sich nicht verändere.

Durch die Studie sei beispielsweise deutlich geworden, dass Glaube und Gemeinschaft für Jugendliche untrennbar zusammengehörten. Jugendliche könnten gut über ihren Glauben reden, wollten dies aber häufig nicht. Herausgekommen sei auch, dass der Glaube bei Jugendlichen oftmals eine funktionale Wirkung habe und mit Familie, Heimat, Glück oder Frieden zusammenhänge. Gott komme da nicht unbedingt vor. Jugendliche mit einem transzendenten Bezug hätten keinen dogmatischen, sondern einen Erlebnisglauben. Die befragten Jugendlichen hätten nichts gegen die Kirche, aber auch nichts für sie. Nach einer statistischen Ermittlung erführen 93% der befragten Jugendlichen Lebenssinn durch soziale Beziehungen und 91,7% glaubten an zwischenmenschliche Werte. 74,8% bezögen Sinn aus einem nachhaltigen Lebensstil. Aber auch Sinn durch Erfolg und Leistung (66,9%) werde angegeben. 48,8% der Jugendlichen glaubten an etwas Übernatürliches und für 31,5% hätten die Inhalte des christlichen Glaubens eine Bedeutung.

Ein Fazit Gütlichs: „Wir müssen die Angebote, die Jugendliche erreichen, mit ihnen gemeinsam entwickeln.“

Superintendent Stuberg ist sich sicher: „Gott lässt sich immer wieder auf die nachrückenden Generationen ein. Er kennt sie. Er weiß, wie das Herz eines Kindes tickt.“ Er erläuterte abschließend die Vorgehensweise der Visitation, bei der die Jugendlichen in den Blick genommen werden sollen, aber auch die Mitarbeitenden in der Jugendarbeit. Es geht bei den Besuchen auch darum, die Struktur der Jugendarbeit im Kirchenkreis wahrzunehmen und die Ausstattung mit Sachmitteln. Stuberg: „Wo steht ihr in der Jugendarbeit? Was ist euch heilig? Und wo will Gott mit euch hin? Das zu sehen, ist Ziel der Visitation.“

Die Leiterin des kreiskirchlichen Referates Anja Hillebrand ist froh, dass der Kirchenkreis die eigene Jugendarbeit in den Fokus nimmt. Sie verspricht sich davon eine Unterstützung und damit Stärkung der Arbeit. Das Ergebnis soll auf der Herbstsynode Ende des Jahres vorgestellt und beraten werden.

Nach dem Auftakt der Visitation hatte die Männerkochgruppe der Kirchengemeinde Niederschelden alle zu einem Imbiss ins benachbarte Gemeindehaus eingeladen.

 

 

14. Juni 2014

„We are the world“

Fußball und Jugendgottesdienst

Einen gemeinsamen Open-Air-Jugendgottesdienst gestalteten die vier Kirchengemeinden Eisern, Eiserfeld, Niederschelden und Gosenbach am vergangenen Samstag (14. Juni 2014) auf der Sandhalde in Niederschelden.

Das Rahmenprogramm unter strahlendem Sonnenschein stand im Zeichen der Fußballweltmeisterschaft. Das Motto des Events lautete „We are the world“. Vor dem Gottesdienst war Open-Air das Fußballspiel Kolumbien gegen Griechenland auf einer Leinwand zu sehen. Ein Menschenkicker lud zum Fußballspiel ein und an einer Torwand konnte man Treffsicherheit demonstrieren.

Die 25 Mitarbeitenden aus den Kirchengemeinden hatten auch für Verpflegung bestens gesorgt. Einige der 160 Jugendlichen erkundeten die Sandhaldenlandschaft und kletterten bis zum Mast der ehemaligen Schlackeseilbahn. Von dort genossen sie einen grandiosen Ausblick über das Siegtal.

Während des Gottesdienstes griff die Tanzgruppe „Two faces“ vom Eiserfelder Turnverein das Motto auf und tanzten zu Musik aus verschiedenen Erdteilen. Eine Projektband lud zum Mitsingen ein.

 „Du bist das Gesicht dieser Welt“, sagte Jugendreferent Arnd Kretzer in seiner Predigt. Es gelte anderen die Hand zu reichen. Er zitierte den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Die Jugendlichen schrieben ihre Gebete während des Gottesdienstes auf und hefteten sie an eine Erdkugel, die neben der Lkw-Bühne hing.